Schutzbeauftragte und Präventionsteam im Kirchenkreis
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Interview mit Monika Weber
Was ist Ihre Aufgabe im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte?
Wenn es in einer unserer Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen um sexualisierte Gewalt geht, bin ich die Ansprechpartnerin. Das ist unabhängig davon, ob jemand einen Verdacht äußert oder selbst von sexualisierter Gewalt betroffen ist oder war. Ich stehe in solchen Fällen von Anfang an zur Seite und begleite durch den gesamten Prozess.
Wer kann sich an Sie wenden?
Ich berate sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeitende, wenn sie sich Sorgen um eine Person machen und eine externe Einschätzung wünschen. Falls Menschen bei mir anrufen, die nicht im kirchlichen Bereich arbeiten, aber einen Verdacht bezüglich eines Mitarbeitenden äußern, verweise ich an die Unabhängige Externe Ansprechstelle Wendepunkt e.V., an die sich Menschen selbstverständlich auch anonym wenden können.
Wie gehen Sie bei einem Verdacht vor?
Ich analysiere die Sachlage, spreche mit anderen Beteiligten und suche gemeinsam nach geeigneten Wegen, Gefahren abzuwenden oder begründete Verdachtsfälle zu bearbeiten. Die Beratungen und Risikoeinschätzungen erfolgen immer anonym. Wir haben sowohl für akute Gefährdung als auch beim Verdacht auf eine Gefährdung einen Handlungsplan erarbeitet, nach dem wir vorgehen.
Warum hat der Kirchenkreis eine Schutzperson?
Wir sind gesetzlich verpflichtet, bei Anhaltspunkten für eine Gefährdung bei Kinder- und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr eine Kinderschutzfachkraft hinzuzuziehen. Durch das Kirchengesetz vom 23.10.2020 sind wir außerdem verpflichtet, unserem Schutzauftrag für Erwachsene mit besonderem Schutzbedarf sicher zu stellen. Diese Aufgabe übernimmt das Präventionsteam, zu dem ich auch gehöre.
Wie haben Sie sich für diese Position qualifiziert?
Seit Oktober 2013 arbeite ich freiberuflich als so genannte insoweit erfahrene Fachkraft (IseF) nach § 8a SGB III und berate verschiedene Träger in ganz Berlin, seit 2014 auch den Kirchenkreis Berlin Stadtmitte. Ich habe evangelische Theologie studiert, eine Notfallseelsorgeausbildung, bin systemische Beraterin und Trainerin für gewaltfreie Kommunikation.
Wieso braucht es für diese Arbeit eine externe Fachkraft?
Als Außenstehende kann ich unterstützen und beraten, ohne emotional in den Fall involviert zu sein. Ich führe durch das entsprechende Verfahren und helfe dabei, zu entscheiden, was auf Grund der Situation angemessen ist. Die Gefahr, dass blinde Flecken nicht erkannt werden oder Verdachtsfälle von Menschen bearbeitet werden, die selbst mittelbar oder unmittelbar in den Fall verwickelt sind, ist somit nicht gegeben.
Da ich in verschiedenen Gremien mitarbeite, kann ich außerdem weitere Informationen über Präventions- und Hilfsangebote in meine Arbeit einfließen lassen.
Gibt es noch weitere Präventionsangebote?
Unser Präventionsteam schult regemäßig Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen. In diesen Schulungen wird nicht nur der Inhalt des Konzeptes vermittelt, sondern auch auf Gefahren hingewiesen. Ganz wichtig ist es uns, für mögliche Grenzverletzungen zu sensibilisieren.