DEMUT - Was zügelt uns?

DEMUT - Was zügelt uns?


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Veröffentlicht am Freitag, 27. Dezember 2019, 00:00 Uhr
© Helgi, photocase.de

In dem „bescheidenen“ und „unzeitgemäßen“ Begriff der Demut liegt heute eine Menge Diskussions-, um nicht zu sagen: Sprengstoff. Das liegt daran, dass der Begriff eine Selbstbegrenzung beinhaltet, die unserer modernen Welt abhandengekommen scheint. Das ist hochaktuell.

Ist die ökologische Krise nicht eine direkte Folge eines Mangels an Demut gegenüber der Schöpfung Gottes, die sich in einem ausufernden und unbegrenzten Verbrauch der Natur manifestiert? Auch aufgrund der neuesten Entwicklung im Bereich der Biotechnologie und der Künstlichen Intelligenz stellt sich die Frage, ob der Mensch jede Grenze überschreiten will? Die Entwicklungen weisen jedenfalls in die Richtung, alle bisherigen Selbstbegrenzungen aufzuheben. Kritische Einwände werden nicht selten als Fortschrittsfeindlichkeit disqualifiziert. Auch in der politischen Landschaft haben international Politikertypen Hochkonjunktur, die eher auf Ego und Anmaßung setzen, als auf Demut, was in den letzten Jahren zu erheblichen Irritationen in der Beziehung zwischen den Nationen geführt hat.

In diesem gesellschaftlichen Klima könnte der Begriff der Demut wieder an Bedeutung gewinnen und möglicherweise heilsame Wirkung entfalten, stünde dem nicht die negative Seite einer kirchlich-theologischen Tradition entgegen. Mit dem Hinweis auf „Demut“ wurden allzu oft die Durchsetzung der Machtinteressen von Obrigkeit und kirchlichen Amtsträgern gerechtfertigt.

Diese und andere Themen greift der Berliner Dom in seinem Jahresmotto 2020 auf: DEMUT – Was zügelt uns?
Wir stellen Fragen, geben Antworten und möchten zur Diskussion anregen, mit zahlreichen Veranstaltungen, Lesungen, Gesprächen und Gottesdiensten (siehe Terminliste).

So werden sich beispielsweise im März im Rahmen der Fastenpredigtreihe ausgewählte Gastprediger mit den biblischen Grundtexten zum Thema beschäftigen. Auch in den beliebten Gesprächen bei Brot und Wein werden wir uns dem Thema nähern, u.a. durch einen Vortrag, der den zwiespältigen Gebrauch des Begriffs der Demut in der kirchlichen Tradition aufarbeitet. Um das Erntedankfest herum werden wir uns dann der ökologisch-politisch-wirtschaftlichen Dimension der Demut innerhalb einer Themenwoche widmen.