30 Jahre Berliner Kältehilfe - Kein Grund zum Feiern

30 Jahre Berliner Kältehilfe - Kein Grund zum Feiern


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Veröffentlicht am Donnerstag, 3. Oktober 2019, 17:34 Uhr

Am heutigen 1. Oktober startete in Berlin die Kältehilfeperiode 2019/2020. Während im Laufe des Oktobers 678 Plätze bereitgehalten werden, erhöhen sich die Kapazitäten in den folgenden Wochen schrittweise. Bereits im November werden es 1.157 Übernachtungsplätze sein, davon 140 Plätze für Frauen in gemischtgeschlechtlichen Einrichtungen und 155 Plätze für Frauen in frauenspezifischen Notübernachtungen. Der Schwerpunkt der Kältehilfe liegt auch in diesem Jahr wieder auf den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. In anderen Bezirken werden ebenfalls Angebote vorgehalten. Die Kältehilfe wird durchgehend bis zum 30. April 2020 Notübernachtungsplätze anbieten.

Seit nunmehr 30 Jahren bieten Kirchengemeinden, Wohlfahrtspflege, Hilfsorganisationen und soziale Träger in Kooperation mit den Bezirken u. a. Schlafplätze und Aufenthaltsmöglichkeiten für obdachlose Menschen an. Der Bedarf steigt seit Jahren. Auch deshalb startet die Kältehilfe seit 2018 bereits am 1. Oktober eines jeden Jahres. Konkrete Zahlen und Daten zur Obdachlosigkeit in Berlin gibt es allerdings nicht. Neben den Notübernachtungsplätzen sind u. a. die Kältebusse der Berliner Stadtmission, der Wärmebus des DRK oder die Kälteambulanz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Einsatz. Gebündelt werden die Hilfsangebote von der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe bei der GEBEWO.

Bürger*innen können über das Kältehilfetelefon der Koordinierungsstelle hilflose Personen melden und Informationen zu den Hilfeangeboten einholen. Die Kältehilfe ist vom 1. Oktober 2019 bis 30. April 2020 täglich von 19 bis 23 Uhr telefonisch unter 030 81 05 60 425 oder per E-Mail unter kaeltehilfe-berlin@gebewo.de zu erreichen. Eine Übersicht der Projekte der Berliner Kältehilfe finden Sie unter www.kaeltehilfe-berlin.de.

Die Berliner Kältehilfe wird zu großen Teilen durch ehrenamtliches Engagement getragen. Dazu Oliver Bürgel, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Landesverband Berlin, und in dieser Funktion Vorsitzender der LIGA Berlin: „Die eigentliche Umsetzung der Kältehilfe ist nur durch den ehrenamtlichen Einsatz Berliner Bürger*innen möglich. Sie investieren ihre Zeit abends und nachts, um Menschen, man muss es in dieser Deutlichkeit sagen, vor dem Kältetod zu bewahren. Dieses Engagement der Berliner Bürger*innen ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dennoch, die Kältehilfe fungiert als letztes Notsystem, wenn alle anderen Systeme nicht mehr greifen. Die Notwendigkeit dieser Hilfe, zusammen mit den seit Jahren steigenden Zahlen sind für uns deshalb kein Grund zum Feiern“.

„Es leben wieder mehr Menschen auf der Straße. So viele wie noch nie. Günstiger Wohnraum ist kaum zu bekommen. Schon gar nicht für Menschen in Wohnungslosigkeit. Die sog. ASOGWohnheime sind voll, Hostels und Pensionen ebenso, selbst Notübernachtungen. Deshalb fordern wir, preisgünstige Wohnungen speziell für Wohnungslose, übergangsweise angemessen ausgestattete ASOG-Einrichtungen, ganzjährige Notübernachtungen - beides mit sozialer Beratung – weniger Kältehilfe! Die Leitlinien der Wohnungslosenpolitik müssen voll und ganz umgesetzt werden! Der Senat beweist mit dem Mietendeckelentwurf Mut – den verlangt auch massiver Neubau von preiswerten Wohnungen für die Ärmsten!“, so Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

„Ein weiterer Ausbau der Kältehilfe kann nicht die Antwort auf die Probleme des Berliner Wohnungsmarktes und die Zunahme der Straßenobdachlosigkeit sein. Was wir vor allem brauchen, sind bezahlbare Wohnungen. Der Anteil an öffentlichen, gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungen muss deutlich gesteigert werden. Gemeinwohl geht vor Rendite“, so Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin.