„Fremdgehen durchs Land“

„Fremdgehen durchs Land“


# Nachrichten - Aktuelles
Veröffentlicht am Sonntag, 20. Oktober 2019, 00:00 Uhr
© Robert Conrad, ehemaliger Todesstreifen der Berlin

Veröffentlicht am 30. September 2019 von Mario Gugeler in Allgemein Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Herbst 89 – 30 Jahre danach“ zeigt die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord eine Ausstellung mit Fotografien von Robert Conrad, Aram Radomski und Ute Zscharnt, die in der DDR in den Jahren 1985 bis 1990 entstanden sind.

Die Vernissage findet am Mittwoch, dem 2. Oktober, um 19 Uhr statt. Ort: Winterkirche der Gethsemanekirche, Stargarder Straße 77.

Danach ist die Ausstellung bis zum 20. Oktober zu folgenden
Öffnungszeiten zu sehen:
Mo, Di, Mi u. Fr 10-18 Uhr
Do 10-21 Uhr (Ausnahme 3.10., 10-14 Uhr)
Sa 10-14 Uhr

In der letzten langen Dekade des kurzen Daseins der DDR wurde augenfällig, daß ihr eine schleichende Utopiendämmerung bevorstand. Vor dem Mauerfall ereignete sich der Verfall des Systems. Seine innere Verfassung spiegelte der äußere Zustand der ostdeutschen Städte. Das »Auferstanden aus Ruinen …« entsprach oft nur einer Rückkehr in dieselben. Die Häuser, aber vor allem auch die industriellen Produktionsstätten, der ganze Stolz der Nomenklatura, befanden sich im Niedergang, viele Betriebe erinnerten an Zeiten der industriellen Revolution, die Menschen arbeiteten und lebten unter heute nur noch schwer zu vermittelnden Umständen.

Die Ausstellung in der Gethsemanekirche aus Anlass des 30. Jahrestages des Mauerfalls möchte den Versuch unternehmen, ein Bild vom schwierigen Alltag in einer DDR zu vermitteln, die für viele Menschen trotz allem eine Heimat blieb. Daher wird nicht auf eine denunziatorische Wirkung oder Siegerpose abgezielt, sondern auf eine Bildwiedergabe, welche die DDR ablichtet, ohne sie unter- oder überzubelichten.

Garanten für eine solche Sichtweise sind viele Fotografen aus der DDR. Die Ausstellung versammelt Arbeiten von drei relevanten Fotografen, die nicht zu den ewig selben Namen zählen, welche wiederholt aus ähnlichen Anlässen präsentiert werden.

Aram Radomski war in der politischen Opposition aktiv und einer ihrer konsequentesten Chronisten. Radomskis Fotografien sind die Negative zu den Positiven der sozialistischen Jubelpropaganda. Dabei ging ihm nie der Humor verloren, seine Arbeiten kommen ohne jede Bitternis aus.

Robert Conrad stammt aus Greifswald und war dort und in Berlin in gegenkulturellen Künstler- und Oppositionskreisen aktiv. Die klare Sprache seiner Fotografien stellte dem ganzheitlichen Verfall in der DDR auch die kalte Ordnung ihrer Neubauten entgegen. Ihn interessierte der Bruch zwischen organisch Gewachsenem und aus dem Boden Gestampften.

Ute Zscharnt wuchs in Berlin-Baumschulenweg auf. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre portraitierte sie ihre eigene Generation. Niemand der Portraitierten zählte sich zur »Kampfreserve der Partei« Der Blick des einen kündet vom Verlust jeder Erwartung, der eines anderen wirkt dagegen fragend und scheint Antworten zu fordern. Der Betrachter schaut in Gesichter und die Portraits von Ute Zscharnt blicken auf eine altersuntypische Weise zurück, denn sie zeigen junge Menschen in der Utopiendämmerung der Alten.

Kuratorium und Organisation: Henryk Gericke
Musik: Expander des Fortschritts

Die Ausstellung wird gefördert vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.