Bundesverdienstkreuz für Walter Homolka

Bundesverdienstkreuz für Walter Homolka


# Nachrichten - Aktuelles
Veröffentlicht am Freitag, 27. Februar 2015, 15:30 Uhr

Hier ein Auszug aus der Rede, die Professor Homolka anlässlich seiner Ehrung hielt:

"Merkel sichert Juden in Deutschland Schutz zu (Süddeutsche)
Merkel möchte Juden in Deutschland halten (DIE ZEIT)
Merkel ruft Juden in Deutschland zum Bleiben auf (Tagesschau)
 
Das waren die Schlagzeilen in diesem Februar, mit denen man sich nach den Anschlägen von Paris und Kopenhagen konfrontiert sah. Da bekommt die Rede von der „jüdischen Renaissance in Deutschland“ schnell Schlagseite, mit der seitens der Politik jahrelang die Hoffnung zum Ausdruck gebracht wurde, dass die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach 1989 ein Riesenschritt zur Sicherung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland werden würde.
Wer Schutz braucht, wer zum Bleiben aufgefordert wird, wer gehalten werden muss: ist der ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft? Sehr gut können sich Juden - und Muslime - noch an die Beschneidungsdebatte 2012 erinnern. Juden und Muslime hat das damals sehr betroffen gemacht. Die jüdische ELES-Stipendiatin Hanna Peaceman schrieb: „antisemitische Vorurteile [sind] kein Randphänomen, sondern gerade in der sogenannten ‚bürgerlichen Mitte‘ oft zu finden.“ Und ihre Kommilitonin Dilia Regnier meinte: „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, der selbst der Holocaust kein Mitgefühl abringt“.
 
Damit wichen die Hoffnungen von 1989 schlagartig der Ernüchterung:
Antisemitismus ist nach wie vor ein Problem in der deutschen Gesellschaft.
Jüdisches Leben scheint bedroht, wie schon lange nicht mehr.
 
Auch ich habe die Hoffnungen von 1989 geteilt. Sie waren der Nährboden für mein Engagement, eine positive und starke jüdische Identität auszubilden. Bei mir selbst und auch bei anderen.
Daraus entstand ein über 25 Jahre langes Engagement für eine lebendige jüdische Gemeindearbeit in Deutschland,
daraus speist sich seit 15 Jahren die Überlegung, dass Rabbiner und Kantoren das notwendige Rückgrat für jüdisches Leben darstellen und damit die Idee für die Gründung des Abraham Geiger Kolleg sowie 2013 die akademische Ergänzung durch die School of Jewish Theology der Uni Potsdam.
daraus erwuchs die Erkenntnis vor 5 Jahren, dass wir mit dem Ernst  Ludwig Ehrlich Studienwerk möglichst vielen jüdischen Studierenden aller Fachrichtungen in Deutschland dabei helfen müssen, sich als aktiven und engagierten Teil der jüdischen Gemeinschaft, aber auch als Teil Deutschlands zu begreifen.
 
Um diese Strukturen werden wir europaweit beneidet,
mit diesen Institutionen können wir Deutschlands guten Namen in alle Welt tragen und mehren,
vor allem aber sind sie Ausdruck einer selbstverständlichen Teilhabe an den Möglichkeiten unserer Gesellschaft.
 
Von politischer Seite kam viel Unterstützung und Hilfe: sonst gäbe es heute weder das Abraham Geiger Kolleg, noch die School of Jewish Theology der Universität Potsdam, noch das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk.
Deshalb kann ich heute den Dank und die Anerkennung des Herrn Bundespräsidenten für mich gerne an Sie, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, zurückgeben, an Ihr Kabinett, an den Landtag Brandenburgs, an den Universitätspräsidenten Oliver Günther und die philosophische Fakultät der Universität Potsdam; aber auch an die Kultusministerkonferenz, das Bundesbildungsministerium, das Bundesinnenministerium und an die Bundeskanzlerin selbst.
 
Die Ermunterung und die finanzielle und ideelle Solidarität von all diesen Seiten haben mich motiviert und getragen, jüdisches Leben unbeirrt auszugestalten und zu konturieren. Die eindeutige Haltung aller politischen Ebenen in der aktuellen Situation machen Mut, diese Arbeit der letzten fünfundzwanzig Jahre auch in Zukunft fortzuführen und Neues anzustoßen."