Christian Müller: ein Pfarrer nahe bei den Menschen

Christian-Mueller_2011.jpgChristian Müller ist rund um den Mariannenplatz bekannt. Der Pfarrer der St. Thomas Kirche  kennt seinen Kiez und die Leute, die hier wohnen. Was er angefangen hat, das macht er konsequent und beständig weiter. Mit den Wohnungslosen spielt er Skat im Café Krause - das hat er vor mehr als 20 Jahren mit der katholischen Nachbargemeinde  gegründet hat. Er hat es, nachdem das alte Gemeindehaus dem Evangelischen Zentralarchiv gewichen ist, in den Nebenräumen seiner großen Kirche angesiedelt. Auch die Leute in der Bäckerei wissen, wer er ist. Der Pfarrer holt die Brotspende oft persönlich ab.
Pfarrer Müller ist ansprechbar und lässt sich ansprechen. Er wohnt im Gemeindhaus, schaut überall nach dem Rechten und löst viele kleine Dinge auf kurzem Wege. Oft packt er selbst mit an. Viele kennen ihn aus sehr existenziellen Situationen. Auch Menschen, die nicht in der Kirche sind, holen ihn, weil sie Hilfe brauchen.  Während der Auseinandersetzungen am 1. Mai war die Kirche Jahr um Jahr Zufluchtsort. Pfarrer Müller hatte oft genug eine unaufgeregte, aber entscheidende Vermittlerfunktion. Das schaffte Vertrauen. Ich lernte Christian Müller schon 1985 kennen. Die Gottesdienste und Nachgespräche galten als ein Geheimtipp. Denn hier trafen sich Leute, die sonst wenig miteinander zu tun hatten.
Seither ist viel passiert. Die Kirche wurde von außen komplett saniert.  Christian Müller sorgte dafür, dass sie regelmäßig von Menschen aus dem Kiez geöffnet wurde. Stück um Stück wurden Teile der Kirche in Eigenarbeit innen renoviert. Besucher der zweitgrößten Kirche Berlins hatten den Eindruck: hier ist eine Kirche im Prozess, unfertig, aber lebendig. Christian Müller stellte Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern her, wagte immer wieder Experimente  in dem riesigen Kirchenraum. Dabei wollte er keinesfalls den großen Raum verändern. Weitreichende neue Nutzungskonzepte für den Sakralbau waren nicht so sehr seine Sache.
Durch die Maueröffnung rückte die Kirche weg von ihrer ursprünglichen Lage in unmittelbarer Nähe der Mauer und damit am Rand des ehemaligen West-Berlin wieder zurück in die Mitte der Stadt. Die Kirche ist der Zentralbau am Mariannenplatz und die Brücke zur Spree. Die Lage an dem hervorragenden Grünzug des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals verändert die Funktion der Kirche. Pfarrer Müller hat immer darauf gedrängt, hier weiter Gemeinde vor Ort, nah an den Menschen, zu organisieren. Jetzt geht er in Ruhestand. Eine gewaltige Lebensleistung, unglaublich viele Kontakte verbinden sich in seiner Person. Am Pfingstmontag wird um 11 Uhr in der St. Thomas Kirche Abschied gefeiert.   
Text: Peter Storck

Termin für den Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Christian Müller:
Pfingstmontag, 13. Juni 2011, 11 Uhr
St. Thomas-Kirche, Mariannenplatz, Berlin-Kreuzberg