Friedrich-Wilhelm Hünerbein: „Ich war gerne Domprediger“

domprediger_huehnerbein.jpgDen Schlüssel für sein Amtszimmer hat er schon abgegeben, das Dienstsiegel auch. Am Sonntag, den 5. September wird Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein im Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Fällt der Abschied schwer, nach fast 40 Jahren im Pfarrdienst? „Ich bin froh, dass mein Nachfolger feststeht“, sagt Hünerbein. Thomas C. Müller heisst der neue Domprediger. Er kommt aus Gronau in Westfalen und wird am 19. September offiziell in sein Amt eingeführt.

Zwölf Jahre war Hünerbein Pfarrer am Dom, davon zehn als Domprediger und knapp zwei als Vertreter des beurlaubten Dompredigers. „Als ich gewählt wurde, hab ich mich zuerst gar nicht so sehr gefreut. Es war eine schwierige Zeit am Dom damals“, so  Hünerbein. Der ehemalige Domprediger war schon länger nicht mehr im  Amt, die Gemeinde West sollte aufgelöst werden. „Gerade Ende der 90er Jahre gingen die Gottesdienstzahlen ganz schön runter“, erinnert sich der Domprediger. Das Domkirchenkollegium beschloss, prominente Prediger einzuladen, Bischöfe aus anderen Landeskirchen, den EKD-Ratsvorsitzenden. Außerdem schuf  er eigenen Predigtreihen und hielt Taizé-Andachten.

Die Besucherzahlen stiegen wieder. Inzwischen kommen 400 bis 800 Menschen zu den Gottesdiensten am Sonntagmorgen. Allein um das Abendmahl auszuteilen, braucht es an manchen Tagen bis zu 30 Mitarbeiter. „Die Leute kommen wegen der Gottesdienste. Meine Kollegin Petra Zimmermann und ich haben uns zusammen mit der Gemeinde dazu entschieden, die bewusst sehr liturgisch zu feiern. Der Sonntagmorgengottesdienst, das ist ja schon fast so wie die Deutsche Messe zu Luthers Zeiten“, sagt  Friedrich-Wilhelm Hünerbein, „Das zieht die Leute an. Auch die jungen.“

Es ist der Raum, der dieses Gefühl von Gemeinschaft vermittelt, da ist sich der Domprediger sicher. „Eigentlich ist der Dom  von außen nicht unbedingt meine Lieblingskirche“, gibt Hünerbein zu, „Er wirkt schon sehr protzig. Aber wenn man hier predigt, dann spürt man die ungeheuere Spiritualität, die dieser Raum hat.“

Hünerbein stammt aus einer Potsdamer Pfarrersfamilie. Er studierte Theologie an der Berliner Humboldt-Universität. Ursprünglich wollte er in der Diakonie arbeiten. Doch schon während seinem Vikariat in Neuruppin merkte er: Du kannst nur Gemeindepfarrer werden. Und als er in Rheinsberg dann zum ersten Mal ein Kind getauft hatte, war sein Beschluss besiegelt.

Seine erste Pfarrstelle bekam er in Ludwigsfelde, in einem Neubaugebiet um ein großes LKW-Werk.  1975 zog er nach Berlin und wurde  Pfarrer in der Gethsemane-Gemeinde. Als sein Kollege nach ein paar Monaten starb, stand er erstmal alleine da – mit einer baufälligen Riesenkirche, mit Umbauten und einer großen Gemeinde.

Wegen ihres Engagements in der Friedensarbeit war die Gemeinde ständig im Visier der Stasi. Pfarrer Hünerbein wurde regelmäßig vorgeladen. „Wir sind immer zu zweit dorthin, so fühlten wir uns sicherer.“

Obwohl er 1986 an die Georgen-Parochial-Gemeinde wechselte, blieb Hünerbein  in den Wendejahren in der Friedensarbeit aktiv.: „Ich habe die Wende eigentlich eher in Gethsemane erlebt als in meiner eigenen Gemeinde.“

Durch die räumliche Nähe zum Berliner Dom kam es auch dazu, dass Hünerbein für Vertretungen angefragt wurde. Und schließlich fest an den Dom kam. „Gerade jetzt in den letzten Jahren war ich gerne Domprediger. Wir haben den Leuten etwas mitzugeben – gerade in einer Stadt, die nicht christlich geprägt ist.“

Und wie geht es weiter, im Ruhestand? „Ich bin ab jetzt ein ganz normales Gemeindemitglied. Auf keinen Fall werde ich mich einmischen. Aber wenn ich gebraucht werde, bin ich gerne da“, sagt Hünerbein.

Erstmal wird er bei der Gemeindefahrt nach Israel gebraucht, im Herbst. Und sonst? „Ich lass das auf mich zukommen. Von einem Kollegen hab ich den Rat bekommen, mich ein Jahr lang ganz zurückzuhalten. Mal sehen, ob ich das schaffe.“


Text: Christiane Bertelsmann