Jahreslosung 2010
Johannes 14, 1: "Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich."
Bischof Markus Dröge:
“Gründe zum Erschrecken gibt es mehr als genug. Wir blicken auf ein
Jahr zurück, in dem die weltweite Finanzmarktkrise des Jahres 2008
weitergewirkt hat. Unternehmen werden auch in Zukunft auf Staatshilfen
angewiesen sein. Menschen sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Schon
jetzt ist jeder sechste Deutsche von Armut betroffen. Andere fürchten
sich vor dem Klimawandel, dessen Folgen allerdings zunächst die Ärmsten
in der südlichen Halbkugel der Erde betreffen werden. Die Welt schaute
zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Das Erschrecken darüber, wie
schwierig es ist, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, tragen viele mit
in das Jahr 2010.
Unsere Ängste sind keine Luftnummern. Die Finanzmarktkrise wird
weiterwirken und der Klimawandel ist schon jetzt deutlich spürbar.
Zugleich gelten wir Deutschen im europäischen Vergleich als besonders
furchtsam. Offensichtlich lieben wir es, uns zu fürchten. Im Ausland
spricht man bezogen auf unsere Zukunftsängste von “German Angst“ –
deutscher Angst. Wird 2010 ein Jahr der „German Angst“? Wird das
kollektive Erschrecken ein neuer deutscher Trend? Fest steht, dass
Ängste uns lähmen. Man sagt nicht umsonst: Der Schreck fährt einem in
die Glieder.
Hier setzt die Jahreslosung an. Sie protestiert gegen die kollektive
Lähmung. Der Aufruf „Euer Herz erschrecke nicht!“ zielt auf die
menschliche Lebendigkeit. Der lebendige Rhythmus des Herzens überwindet
die lähmende Angst. Dabei wischt der Glaube an Gott und an Christus den
realen Hintergrund unserer Ängste nicht weg, lässt uns aber die Lähmung
überwinden. So wird der Glaube ein Bekenntnis gegen jenen Trend der
„German Angst“.
Spuren der Lebendigkeit gegen das lähmende Erschrecken gibt es viele.
Mir fällt der indische Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus ein, der
Menschen mit Kleinkrediten ausstattet, damit diese eine Existenz
gründen können. Auch der Friedensnobelpreisträger des vergangenen
Jahres kommt mir in den Sinn. Präsident Barak Obama hat den Preis
erhalten, ohne bis dahin besondere Leistungen vorweisen zu können. Die
sehr robust geführten Auslandseinsätze der Armee rücken die Verleihung
in ein zweifelhaftes Licht. Auch die von ihm bemühte Figur eines
gerechtfertigten Krieges kann ich nicht teilen. Krieg bleibt eine
moralische Tragödie und eine menschliche Katastrophe. Krieg verstrickt
immer in Sünde. Gerechtigkeit kann ich nur in Jesus Christi finden, der
mir meine Sünde vergibt. Dennoch beeindruckt mich, wie Präsident Obama
die Widersprüche, die sein Handeln bestimmen, ehrlich benennt und wie
er mit dem Problem des Friedens und der Gerechtigkeit ringt. Auch
hierin erkenne ich noch eine Spur, die lähmenden Ängste zu überwinden.
„Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Der Glaube setzt uns in Bewegung.
Er ist der Motor der Lebendigkeit gegen die Lähmung der Angst.
Christus, der uns diese Jahreslosung zuspricht, ist der, der in seiner
Bergpredigt alle selig preist, die nicht im Erschrecken stecken
bleiben, sondern gegen die eigene Angst nach Frieden und Gerechtigkeit
streben.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie in diesem Glauben Ihre Ängste überwinden können. Ein gesegnetes neues Jahr!”
