Portrait Erika Grünewald, Kirchenpädagogin
Dienstagmittag, St. Marienkirche. Im Kirchenschiff drängen sich die Besuchergruppen. Für Berlingäste gehört die mittelalterliche Kirche am Alexanderplatz zum Pflichtprogramm. „Wenn ich in die Gesichter der Besucher schaue, dann sehe ich, dass sich die Menschen nach einem Zugang zu diesem Raum sehnen“, sagt Erika Grünewald. Die gebürtige Amerikanerin ist seit Mai 2009 für die Kirchenpädagogik in der Marienkirche und in der Region Mitte verantwortlich – und möchte den Menschen den Kirchraum näher zu bringen. Die Menschen zum Sehen bringen nennt Erika Grünewald das.
Mit diesem Thema beschäftigt sich die promovierte Kunstgeschichtlerin seit mehr als 20 Jahren. So lange schon arbeitet sie als Kirchenpädagogin – zunächst in Hamburg, und seit knapp zwei Monaten auch in Berlin.
Gerade ist sie dabei, für ihre drei Arbeitsschwerpunkte im Kirchenkreis Stadtmitte ein Konzept auszuarbeiten. „Ich möchte ein Ausbildungsprogramm für ehrenamtliche Kirchenführer schaffen. Außerdem will ich Fortbildungen für Pfarrer, Vikare und Lehrer anbieten“, sagt sie. Der dritte Punkt, der ihr am Herzen liegt, sind die Führungen für Schüler.
Hierbei wird sie eng mit den Kinder-Kirchenführern der Evangelischen Grundschule Berlin Stadtmitte zusammenarbeiten.
Ihr Angebot richtet sich an Menschen aus ganz Berlin. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Region Mitte – will heissen: Französische Friedrichstadtkirche, Berliner Dom und St. Marienkirche. Die hat es Erika Grünewald besonders angetan: „Die Kirche ist faszinierend. Man findet Restmerkmale aus sehr vielen Epochen. Auf kleinstem Raum sieht man unglaublich viel“, sagt sie. Etwa zum Thema Tod. Gerade mit Schülern im Teenie-Alter schaut sie gerne die Epithaphe an. Dort grinsen den Betrachter Totenschädel an. „Was löst das in Euch aus?“ fragt sie die Schülergruppe. „Wie weit ist der Tod weg? Was hat der Tod mit Eurem Leben zu tun?“ Und schnell ist sie beim Thema Grufties, leitet dann elegant über zum Barock, zum 30Jährigen Krieg und dem mittelalterlichen Totentanz – alles Themen, die sich in der vielfältigen Bilderwelt der Marienkirche anschaulich zeigen und erklären lassen. „Und natürlich nehme ich auch provokative Sätze ernst, nur so können wir in einen Dialog treten“, sagt Erika Grünewald.
Auf ihre Führungen wird man sich freuen können – egal, ob man fünf, fünfzehn oder 50 Jahre alt ist.
Text: Christiane Bertelsmann
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