Kirchenfenster
Farbige Glasfenster, wie man sie auch in Berliner Kirchen findet, üben auf viele Menschen noch immer eine große Faszination aus.
Wenige wissen vielleicht um die Ursprünge dieser über tausendjährigen abendländischen Kunst.
Genauer gesagt geht es um die Idee, die diese Kunst etwa ab dem 11. Jahrhundert zuerst in Frankreich, dann in Deutschland, England und bis weit hinauf in den Norden Europas zu so hoher Blüte brachte.
Wer heute eine der großen mittelalterlichen Dome und Kathedralen betritt, mag angesichts der überwältigenden Flut farbigen Lichts erahnen, worum es den Schöpfern der gotischen Kathedrale ging:
Sinnenhaft sollte erfahrbar gemacht werden, was es heißt zu sagen"Gott ist Licht".
Über ein Jahrtausend hinweg hatte dieser Gedanke schon die Menschen bewegt.
In der Gotik fand er seine höchste theologische Entfaltung. Sie bewirkte, daß die einst kleinen Fenster romanischer Kirchen sich weiteten und schließlich Wände entstehen liessen, die fast nur noch aus farbigem Glas bestanden.
Diese Glasfenster bezeichnete man als "Edelsteine", um ihre Beziehung zum biblischen "Neuen Jerusalem", der endzeitlichen himmlischen Stadt, anzudeuten.
Natürlich gab und gibt es in diesen Fenstern auch biblische Geschichten. Dem lese-unkundigen Volk sollten sie biblische Ereignisse bildhaft vor Augen führen.
Wichtiger aber war die Vergegenwärtigung göttlichen Lichts.
Im Lauf späterer Jahrhunderte ging diese große Idee mehr und mehr verloren. Mit ihr starb schliesslich auch die Fensterkunst selbst.
Erst in der Moderne, deren Bilder vielfach auf Gegenstände verzichteten und die reine Farbe zum Sprechen brachten, wurde sie neu geboren.
Es lohnt sich, Fenster vor allem moderne, auch einmal unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten.
Paul Corazolla
In Berlin und an vielen Orten in Deutschland sowie im Ausland gibt es in Kirchen und öffentlichen Gebäuden zahlreiche Fensterwerke von Paul Corazolla.
Sie sind durch Veröffentlichungen auch über ihren jeweiligen Standort hinaus bekannt geworden.
Zu den bedeutenden Arbeiten zählen Glaswände bzw. Fenster in Madrid, Essen, München, Mühlheim (Ruhr), Hildesheim, Strasberg bei Berlin, Cottbus, Neustadt (Dosse), Rothenburg o.d.T., Paderborn und Nidderau (Hessen).
In Berlin sind es Arbeiten im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau, im Universitätsklinikum Rudolf Virchow, im Franziskus-Krankenhaus, in der Heilig Kreuz Kirche in Wilmersdorf u.a.
weitere Informationen auch in Paul Corazolla: "Glasfenster *Arbeiten auf Papier* Texte"
Verlag Schnell &Steiner, München 2000
Kontakt:
Paul Corazolla, Wilhelmshöher Str.4, 12161 Berlin
Tel. (030) 851 92 00, Fax. (030) 859 65 532
